T3CON10 in Frankfurt – ein Rückblick

Das war sie also, die T3CON10 in Frankfurt. Eine Konferenz rund um TYPO3, stattfindend vom 30.09. bis zum 02.10.2010 im (mehr oder weniger) schönen Frankfurt am Main im Holiday Inn Conference Center in der City Süd. Mit zwei Kollegen war ich dort anwesend, wenn auch nur die letzten beiden Tage. Der Donnerstag war diversen Tutorials gewidmet, unter anderem einem Einführungs-Workshop in deutscher Sprache. Am Freitag und Samstag fanden dann die regulären  Talks in englischer Sprache statt, thematisch rund um TYPO3 und – natürlich – FLOW3, Extbase und Fluid angesiedelt. Als Dozenten (neudeutsch: Speaker) traten einige wohlbekannte Mitglieder der Community (z.B. Robert Lemke, u.a. Chefentwickler von FLOW3) und illustre Gäste (z.B. Sebastian Bergmann, u.a. Erfinder von PHPUnit und PHP-Core-Entwickler) auf und begeisterten das Auditorium mit interessanten und informativen Vorträgen. Eine Tombola mit TYPO3-Glückskeksen, das “Social Event” am Freitag Abend in Form einer ausgelassenen Party im 25. Stockwerk des Hotels und Zusatzangebote wie die Prüfung zum “TYPO3 Certified Integrator” rundeten die ganze Konferenz noch ab.

Schon die Eröffnung am Freitag morgen ließ erahnen, das es bei der diesjährigen TYPO3-Konferenz etwas zukunftsorientierter von Statten gehen würde. Nach der Begrüßung durch Association-Chef Jürgen Egeling, der nebenbei auch einige Tipps zum Thema Abnehmen parat hatte, und der Keynote von TYPO3-Erfinder Kasper Skårhøj, gab Robert Lemke, der Chefentwickler von TYPO3 v. 5 (Codename “Phoenix”) und FLOW3 einen Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand der neuen Version des Content Management Systems TYPO3. Der Entwicklungsstand hängt natürlich unmittelbar mit dem Fortschreiten der Entwicklung des neuen PHP-Frameworks FLOW3 zusammen, welches ursprünglich als Nebenprodukt zu TYPO3 Phoenix immer weiter verfeinert wird, um auch eigenständige Webapplikationen zu unterstützen. Robert Lemke erklärte auch in diesem Zusammenhang, warum sich die Entwicklung der neuen TYPO3-Version nun schon über Jahre hinzieht – letztendlich liegt der Grund im Qualitätsbewusstein der Entwickler und dem damit einhergehenden kontinuierlichen Refactoring des Codes. Die lange Zeit des Wartens wird dann aber voraussichtlich mit einem stabilen System mit einer sauberen Codebasis belohnt, das einfach zu Erweitern und zu Warten ist.

Nach der Eröffnung ging es dann mit den Talks los. Unter dem Titel “The taste of Phoenix” gaben Jens Hoffmann und Björn Brockmann einen Einblick in das komplett neu gestaltete Backend der neuen TYPO3 Version Phoenix. Peter Niederlag bot mit der Session “Effective Source Code Management with git” eine Einführung in das Versionskontrollsystem git, welches u.a. für die Entwicklung von FLOW3 und Phoenix, aber auch für viele andere Open Source Projekte verwendet wird. Ein Thema, das spätestens seit der fortschreitenden Verbreitung der sogenannten Smartphones immer interessanter wird, wurde von Taras Vasilkevic mit dem Vortrag “TYPO3 goes mobile” angeschnitten. Die Beiträge “Development of the TYPO3 Phoenix User Interface with Ext JS” von Christopher Hlubek und Nils Dehl und “TypoScript 2.0” von (wieder einmal) Robert Lemke wiesen dann wieder ein wenig Richtung Zukunft. Wer sich vom vielversprechenden Titel “TYPO3 in the cloud” hat überzeugen lassen, wurde unter Umständen vom Vortrag von Ingo Schmitt etwas enttäuscht. Hier wurden leider keine Lösungen zur Verteilung von TYPO3-Systemen geboten, sondern lediglich einige Cloud-Konzepte vorgestellt, die aber vom Sprecher selbst als “zu teuer für die meisten Use-Cases” beurteilt wurden. Dabei wurde immer von Cloud-Services á la Amazon oder Google ausgegangen, bei denen einzelne Bestandteile der Cloud nach Bedarf angemietet werden könnten. Ein praktikabler Ansatz (auch im Hinblick auf eigene Cloud-Server) fehlte allerdings völlig. Ein Highlight (zumindest für mich persönlich) war dann die Session “Quality Assurance for TYPO3 Extensions” vom PHPUnit-Erfinder und PHP-Core-Entwickler Sebastian Bergmann. Hier zeigte er verschiedene Tool-gestützte Möglichkeiten auf, wie man seinen PHP-Quellcode verbessern könnte. Neben den Unit-Tests für PHP, die er anhand einer Extbase-Testklasse kurz vorführte, präsentierte er auch einige kleine Tools, die zum Teil aus seiner Feder stammten, mit denen man PHP-Code auf eher formelle Qualität testen kann. Als Stichwörter seien an dieser Stelle nur Code Sniffer, Copy&Paste Detector, PHP Mess Detector und ähnlich gestaltete Werkzeuge genannt. Zu Demonstrationszwecken ließ er diese Tools über den aktuellen TYPO3-Core laufen, mit eher dürftigen Ergebnissen. Sebastian Bergmann betonte aber, das die erst mal nicht so berauschenden Berichte der Tools eigentlich noch ganz Okay seien, er habe bei anderen Code Reviews noch ganz andere Sachen geshen. Die Session “TypoScript Performance Tuning and new TypoScript Functions in TYPO3 4.5” von Jo Hasenau, Steffen Kamper – zwei ebenfalls sehr bekannte TYPO3-Community-Mitglieder – ging es dann in der Hauptsache um die geplante Erweiterung von TypoScript um die stdWrap-Funktion in allen TypoScript-Eigenschaften. Dadurch ließen sich sehr komplexe, tief verschachtelte TypoScript-Konstrukte realisieren. Die TYPO3-interne Scriptsprache wäre so noch flexibler und böte noch mehr Möglichkeiten zur Erweiterung eines TYPO3-Systems neben der “traditionellen” PHP-Programmierung in Extensions.

Am Abend gab es dann das große “Social Event”, eine Party mit Buffet im 25. Stock des Hotels. Leckeres Essen, Freibier und ein DJ, der definitiv in den 90ern aufgewachsen ist. Dr. Alban bis zum Erbrechen ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer´s mag… Möglich, dass die Unterhaltung deshalb gebucht wurde, weil das Unternehmen den schönen Namen “Disco Phönix” trug.

Am Samstag ging es dann nach einem kurzen Frühstück (für diejenigen, die schon wieder etwas essen konnten) mit den Talks weiter:
“SCRUM in a TYPO3 project and support organisation” von Jesper Scheuer Nielsen zeigte, dass auch kleine Agenturen mit überschaubaren Teamgrößen und jeder Menge nebenläufiger Arbeit jenseits der Projektplanung (“Können Sie eben mal bitte…”) auch nach SCRUM-Methoden planen und arbeiten können. Eher administrativ wurde es dann mit der Session “TYPO3 monitoring with caretaker” von Thomas Hempel und Martin Ficzel. Die caretaker ist eine Extension, mit der man in einem zentralen TYPO3-System andere Client-Systeme auf verschiedenste Arten und Weisen überwachen kann. Wieder ein wenig in Richtung Zukunft blickte dann der Vortrag “Integration and Extension of the Aloha Editor” von Clemens Prerovsky. Der Aloha Editor wird wohl den guten alten RTE in TYPO3 Phoenix ersetzen. Mehr für Entwickler mit Qualitätsbewusstsein war dann die Session “How to improve quality of your TYPO3 extension(s)” von Mike Zaschka und Christian Trabold, die an den Vortrag von Sebastian Bergmann vom Freitag anknüpfte. Hier wurde ein Hudson-Server vorgestellt, der automatisiert sämtliche Projekte auf forge.typo3.org mit Hilfe diverser Tools auf deren formelle Qualität überprüft. Dabei werden Copy&Paste-Code, Verletzungen der TYPO3-Coding-Guidelines und andere Unschönheiten im Quelltext der einzelnen Extensions aufgespürt und entsprechende Berichte erzeugt, anhand derer dann der Entwickler seinen Code verbessern kann. Ein nützliches Tool, um den nicht immer ganz so schönen Code mancher Extensions vielleicht ein wenig sauberer zu gestalten. Ein weitere sehr interessanter Beitrag kam dann (schon wieder, der hat wohl Langeweile!) von Robert Lemke zum Thema “Creating Clean Code with Aspect-Oriented Programming”. Es handelte sich um eine kurze Einführung in die Begrifflichkeiten und Prinzipien der Aspektorientierten Programmierung mit. Da PHP selbst noch keine native Unterstützung für Aspektorientierte Programmierung bietet, musste z.B. im neuen Framework FLOW3 auf einen kleinen Workaround zugegriffen werden. Aspekte werden hier über eine unscheinbare Annotation im PHPdoc-Kommentar einer Klasse deklariert. Das Framework erzeugt daraufhin dynamisch Proxy-Klassen für die Joincuts, die vom System gecachet werden. So wird die Notwendigkeit von PHP-Erweiterungen, die Code-Manipulationen zur Laufzeit ermöglichen, umgangen. In zwei aufeinanderfolgenden Vorträgen (“Fluid for designers” und “Advanced Templating with Fluid”) präsentierten Sebastian Kurfürst, Bastian Waidelich und Berit Jensen die neue Template Engine Fluid, die sowohl jetzt schon in TYPO3 Version 4 für Extbase-Projekte verwendet wird, als auch die Template Engine für FLOW3 und die neue TYPO3 Version 5 ist. Zuguterletzt stellte Ben van ‘t Ende in seinem Vortrag “About the TYPO3 Association” noch einmal die TYPO3 Association und deren Wirkungskreis vor, bevor dann Gastgeber Jürgen Egeling zum Schluss die besten Talks prämierte und verabschiedende Worte sprach.

Während der ganzen Konferenz über wurde ausreichend für Verpflegung gesorgt, Mittags gab es ein reichhaltiges Buffet im schicken Hotelrestaurant. Hier wurde Service noch ganz groß geschrieben, kaum war ein Teller auch nur ansatzweise leer, wurde er einem auch schon von einem der zahlreichen KellnerInnen freundich aber bestimmt unter dem Besteck weggezogen. Über den ganzen Tag verteilt gab es auch viele “Coffee Breaks”, die man nutzen konnte, um Kaffee, Tee oder kalte Getränke wie Wasser, Saft oder Diätcola zu sich zu nehmen. Daneben wurden auch ganztägig kleine Snacks und verschiedene Obstsorten gereicht.

Bemerkenswert auch die Interpretation des TYPO3-Mottos “inspiring people to share”, die sich am morgen nach der Party manifestierte, indem jemand seine Kopfschmerztabletten teilte – ein findiger Kopf, der sich das ausdachte, sollte es eine Marketing-Aktion gewesen sein, eine altruistische Aktion ohne Beispiel, war hier ein Privatmann im Spiel, eine kleine Nachlässigkeit, wurden die Medikamente einfach nur liegen gelassen.

Insgesamt eine nette Konferenz, bei der man sich interessante Vorträge anhören und nette Leute treffen konnte. Ein großes Lob an die Organisatoren und die vielen Helfer, die hier Ihre wertvolle Freizeit geopfert haben, um ein paar Leuten mit merkwürdigen Hobbies – oder einem merkwürdigen Broterwerb – die gute Sache TYPO3 ein wenig näherzubringen, als sie es eh schon ist. Danke dafür!

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